Samstag, 28. Juli 2018




entengrütze


in der wärme wächst der teich zu

hier weisen nicht mehr viele schilder
anderswohin

wie die krähe
bin ich im bunde
mit dem wind

er trägt mich unfehlbar
auf meinen höchsten zweig

meinen kaffee
trinke ich auf neue weise

ich trinke ihn
bevor er alle ist




Dienstag, 17. Juli 2018




die dürre bläst kleine wirbel umher
im wind die gräser
winken uns durch

der verwahrloste kuhhof
mit seinen sechsunddreißig lagen
plastik
ums heu – festnageln wenigstens 
festnageln sollte man alles

leise stöhnend sich
mit den sonnenblumen wiegen
vor und zurück
vor lieblosigkeit

ja ich weiß viele nutzlose worte
(f)liegen in der luft was sonst gäbe es
darüber noch zu sagen




Freitag, 6. Juli 2018



leerer rahmen


der du in meinem
schlafe wandelst
kommst mir entgegen
überall
ich weiß nicht wo
ich bin auf dem weg
zum springenden 
punkt




Samstag, 30. Juni 2018



was sie nicht sagen


und doch bin ich ja reisend
erstrahle ein funke
erlösche im flickwerk
am lesepult 
bei sternenlicht

nehme platz
ein lasse den boden
hinter mir
unter mir gleitet er weiter
fort

habt ihr hier nicht
schöne fragen feil wie
ob die stufen vorm haus
dem erwarteten
dienen

ob worte beinahe
sichtbar benennen
klänge die niemand
hört das aber
ertragen sie nicht

wollen weiter
wohin ich bin immer
verloren verschwunden
angekommen
vor ort



vorzutragen in der Art von Nina Hagen

Mittwoch, 20. Juni 2018



zu füßen


worte kopiert
aus einem zusammenhang
nach dem nicht gefragt wird sorgfältig

in schnipsel geteilt
mit welligem rand ich habe sie wohl
noch nie gelesen

nehme aus einer schale entgegen
am eingang hier wacht nicht nur
ein blick

es kommt die zeit da du deiner selbst
nicht mehr sicher sein mußt
wie schon so lang

ein teppich ist unter dich
gebreitet darauf krumen
aus papier

sie führen dich in ein elftes jahrhundert
die bänke entlang
unter lauter emporen

sowie hartnäckige hinweise
auf allerneueste
zahlungsweisen

dennoch wenn worte
nichts mehr bedeuten alles schwankt
schwankt eine hängebrücke hinüber in das

andere land  




Freitag, 8. Juni 2018



ein doppler-effekt


irgendwann
halte ich nicht mehr schritt halte an
laß ziehn die geräusche an mir vorbei
geschepper sausen das unablässige
brausen klirren irgendwann
bleibt alles dies hinter mir zurück
und ich horche ihm noch ein wenig nach aber dann
von geschnatter gezischel gewimmer fort
ziehe ich einfach weiter




Samstag, 2. Juni 2018



dumm gelaufen


ich glaube ich war
einmal am rhein
da war gerade
kein platz für ihn
in tschaikowski

wie erklärlich
so viel ich
hatte ich nicht
als dafür nötig
gewesen wäre